I only watch when there is nothing to see 15. April 2014

I only listen when there’s nothing to hear
I only speak when there is nothing to say
I cry for help when there’s nobody near

Jan Keine Kommentare »

 

Gabriele 8. April 2014

Sonnenlicht fällt durch die Krone der Birke und malt Muster auf den alten Naturstein. Er verwittert langsam, als wolle er sich in Würde zurückziehen. In eine feine Moosschicht gehüllt wird er im Lauf der Jahre wieder eins mit dem Blattwerk, den Gräsern, der Erde. Eine kleine Spinne krabbelt durch den Korridor von Licht auf seiner Oberfläche. Eben überquert sie eine dunkle Vertiefung, die sich vom warmen Rotbraun abhebt. Es ist ein Netz aus Scharten, zu einem Satz gemeißelt: „Ich würde nur das gehen lassen, was denn nicht bleiben kann.“ Das sind Deine Worte. Sie bleiben und so Vieles darüber hinaus. Doch ist mehr gegangen, als Du hast lassen wollen. Dieser warme Frühlingstag aber atmet Deine Luft, hier „am schönen und ruhigen Ort“, wie Du einst über Hölderlins Gedenkstein schriebst. In der Nachbarschaft von Efeu, Laub und Wildblumen ist – halbbeschattet – Deine Heimat. Ich pflanze Vergissmeinnicht, Stiefmütterchen und eine kleine Wildrose. Über jeden Regenwurm, den ich dabei aus der Erde hebe, freue ich mich an Deiner statt und gebe ihm sicheres Geleit.

Jan Keine Kommentare »

 

Splitter 12. März 2014

Die neue Freiheit des Nackens endet im Hinunterfallen des Kopfes.

Die Ideen zerstäuben.

Ein Sinnesorgan ist mir abhanden gekommen, das Organ nämlich des Sinns. Das Zweckvolle ist an seinen Platz getreten, hat sich die Füße auf der Schwelle abgewischt und Listen mit Plänen aufgehängt. Ich hörte es mein Leben lang durch die Wälder streichen und über Meere. In vielerlei Gestalt tauchte es auf und duchkreuzte das Lebendige, bis dies wesenarm zu Einheiten des Lebendigen zerfiel. Heute hat es meine Tür durchdrungen. So splittert das Werden im Sein und das Können im Sollen.

Die Wut läuft davon. Das Großartige und das Kleinartige geben sich noch einmal artig die Hand. Beim Mittleren trifft sich alles Abstrebende absterbend. Eine näherungsweise Gelassenheit erfaßt mich angesichts des verschwimmenden Seins, angesichts des Fehlen jeglichen Moments, weil das Werden offenbar geworden ist. Alles ist vom Sein zum Werden verkommen und jegliches Innehalten zwecklos geworden. Auch jedes Dasein, das zugleich zum Wegsein wird. Die Verantwortung für das Leben ist entkommen.

Alle Rätsel der Empfindung sind unwichtig geworden angesichts dessen wofür wir noch kein Sinnesorgan haben. Es kann nicht bezwungen werden, solange wir es nicht körperlich ergründen. Ich spüre den Nachhall der Wut laut und dumpf in meinem Kopf. Meine Schultern beginnen zu bröckeln und fallen auf den Boden hinab, der nicht ist, weil dort nur Abgrund sein kann.

Die neue Freihheit des Nackens endet im Hinunterfallen des Kopfes.

Sarah 2 Kommentare »

 

Nihilismus 20. Februar 2014

nihilismus

Jan Keine Kommentare »

 

Homo ludens 3. Februar 2014

Die Spiele der Erwachsenen, selbst ihre Muße, haben ihre Unschuld verloren. Wissend, dass sie sterben müssen, versuchen sie, bewusst zu leben – oder der Conditio Humana in synthetische Parallelwelten zu entfliehen. Und selbst diese Fluchten meinen sie noch rechtfertigen zu müssen: Im Bewusstsein ihrer Endlichkeit und im Räderwerk der sozioökonomischen Maschinerie unternehmen sie immer etwas; über jeden Moment muss Rechenschaft abgelegt werden, indem er erzählbar sei – das heißt: definiert, intersubjektiv nachvollziehbar.

Das Kind führt noch weder Buch, noch flieht es aus der Realität – sein Spiel ist ihm genauso relevant und lohnend wie alle „ernste“ Beschäftigung, z.B. das Essen. Mehr noch: Es gibt ihm keine „unernste“ Beschäftigung, keine gut eingesetzte oder verschwendete Zeit. Quälend ist lediglich fremdbestimmte Zeit, die unter den Imperativ der Uhr gestellt wird („Du sitzt jetzt eine Stunde still“) – die zweite Natur des Erwachsenen.

Das Kind ist nur von Wahrheit umgeben – es empfindet die Produkte seiner Fantasie wie die Beobachtungen seiner Sinne, unmittelbar. Der Erwachsene erkennt diese Wahrheit kaum noch, kann auch nicht mit ihr umgehen – sein Leben ist der Fiktion gewidmet: Der sozialen Fiktion, eine Lebensgeschichte darstellen zu müssen, der professionellen Fiktion, aus abstrakten Daten und übermittelten Informationen Weltbilder fabrizieren zu müssen, und der kommodifizierten, industrialisierten Fiktion der Konsums.

Ob wu wei, Achtsamkeit, Meditation oder Camus’ Meer und Sonne: Die Sehnsucht des Erwachsenen gilt dem, was überwuchert von all dem Digitalen womöglich unerreichbar geworden ist – wieder in der Wahrheit zu leben. Nicht zu sehen und zu fühlen als-ob, nicht in allem ein Zeichen zu sehen und nicht die Stille und die Leere als Unterschlagung zu fürchten, sondern unmittelbar zu empfinden, ohne Notwendigkeit einer Rechtfertigung; auch nicht vor sich selbst.

Jan 3 Kommentare »

 

Dichtertechno 27. Januar 2014

Dichtertechno, Baby
sprich schneller, schriller, ich alter so schnell
meine Stimmung im Takt zwei drei Schrei, yeah
Zweihundert words per minute mindestens
und was, wär ich nicht hier, niemals bei Dir
durch uns sind wir erst definiert
unausgesprochen existieren
weil wir dran glauben, nicht verrauchen
ohne Flamme wie so viele schnell Verstaubte
rauben wir den andern was sie ohnehin nie brauchten
und bauen den Sekundenthron Schlag für Schlag
Nacht für Nacht ein Schemenleben
nur der Ton macht noch Musik
kickt Dich der Atemstillstand
beim Worteringen und Wahrheit finden
erstickst Du wie all die Wartenden
die nie die Augen schließen
nie die Arme öffnen können
und gestern war die letzte Chance
der erste Tanz im Rest Deines Lebens
wenn ich schon sterbe
will ich es auch merken
weil sie erzählen können wie sie wollen
und immer kurz vorm Fliegen fallen
ich fasse Dich jetzt an den Händen
ab jetzt werde ich nur noch lächeln
bis Sprechen endlich sich verflüssigt
und zur Überflüssigkeit verflüchtigt
in Gesang und nichts ist nichtig
wenn es nur Momente dauert.

Das war doch alles nur Geräusch mit Melodie
Dreihundert, Scheiße, Luft
es zählt nicht, was du sagst, nur wie, nur wann
und wir sagen es
wir schreien es
jetzt, jetzt, jetzt!

Stefan Keine Kommentare »

 

milchkokon 30. Dezember 2013

in jedem blick zurück seh ich dich
in mir, an mir. uns in einem fluß.
dein sein ist werden und dein werden ist sein.
seit dir fließ auch ich.

ein floß ist in meinen händen entstanden.
darauf will ich dich begleiten.
mit dir naß werden und trocknen.
die fließrichtung vergessen,
nur hinsehen. sehen
was ist,
was du bist.

aus mir erwächst etwas
für dich. es soll dich trösten,
wenn ich das sein vergesse
zwischen zwei momenten,
die in alle dimensionen wuchern.
es soll dich wärmen, nähren,
dir zuhause sein in jedem werden.

in dir versickert meine angst
als ich trag dich zeitumsponnen.
es glitzert hier und dort beginnt es abzubrennen.
tiefgetrocknet schwarze achsen
verschenken knisternd ihre energie.
das einste sehnen schnurrt zusammen.
übrig bleiben wir im jetzt und hier.

Sarah Keine Kommentare »

 

Konsumträume 27. Dezember 2013

konsumträume

Jan Keine Kommentare »

 

Regen 6. Dezember 2013

Ich bin mir ins dunkle Herz gefolgt
da hörte ich es Ticken,
da sah ich Flimmern
und die Wände rochen modrig warm.

Und alles was war
das hing an meinen Beinen
und läutete wie Schlüssel
wenn ich mich bewegte.

So stand ich still und schaute
und das Flimmern war die Zukunft
und wie ein Hoffen leuchtete der Regen der dann fiel.
Ich ging nach haus.

Theresa Keine Kommentare »

 

Kolumne 6 – vom Scheitern 6. Dezember 2013

Diese Kolumne ist gescheitert – Rauhfaser ist gescheitert. Die Frage ist: als Kollektiv oder am Kollektiv? Ein Kollektiv scheitert, wenn es geschlossen nicht vermag, seine Leistung zu erbringen. Das gilt für diese Kolumne wie für die Frequenz und Verteilung der Beiträge im Blog – der Output ist ungenügend, er kann die geweckten Erwartungen und gesteckten Ziele nicht erfüllen. Rauhfaser als etwas Zusammengefasstes, Vereintes ist dysfunktional. Was aber sagt das über die Menschen, die Rauhfaser bilden? Nichts, denn hinter einem Kollektiv ist kein Individuum mehr erkennbar; ein gescheitertes Kollektiv ist kein Kollektiv von Gescheiterten, sondern ein Scheiter-Haufen. Er wird auch im Scheitern noch Kollektiv bleiben, im Stillstand, zum Stillstand verschmolzen.

Hier aber zeigt sich der Bruch mit dem Beobachtbaren: Das Anonyme, das von-sich-Absehen lag Rauhfaser nie. Der Wunsch nach dem Holistischen traf stets auf den Anspruch, die eigene Integrität zu wahren. Es war der Versuch, die individuellen Facetten zu einem gemeinsamen Kristall zusammenzufügen, gemeinsam heller zu strahlen und so auch mehr Licht auf sich selbst zu reflektieren. Aus Koketterie gab er sich wohl eine Zeit als Kollektiv – eine Maske, unter der die Entropie wuchs. Rauhfaser scheiterte am Kollektiv, nicht als Kollektiv.

Doch was passiert, wenn eine solche Benutzeroberfläche – oder Benutzerillusion, das ist eins – zusammenbricht? Das einst Zuhandene tritt wieder hinaus in die Vorhandenheit – die Einzelnen werden wieder sichtbar. Womöglich gehen sie auseinander, skeptisch gegen das seltsame Erlebnis, in einem Ganzen aufgegangen zu sein, als dessen Teil man sich nicht mehr wiedererkannte. Vielleicht jedoch finden auf neuem Grund zusammen, der vermutlich von vornherein der ehrlichere war: Nicht als Vereinte, sondern als Vereinigte – Individuen, die sich um ein gemeinsames Recht in dessen Geltungsbereich versammeln. Man nennt sie Kollegen.

Dies ist mit Sicherheit die letzte Rauhfaser-Kolumne als Kollektiv gewesen. Ob sie die letzte Rauhfaser-Kolumne gewesen sein wird, wird sich zeigen.

Ich bin Jan. Und ich schreibe bei Rauhfaser.

Jan Keine Kommentare »
 

Rauhfaser läuft mit WordPress