26. Januar 2012
mankind constructing

Lena · Kommentare (0) · Kategorien: Fotografie, Lyrik, Musik, Politik, Straßenlyrik, Zitate. (permalink)
25. Januar 2012
Ein lang geplanter Gedankengang
(Titel bezieht sich auf Franz Kafka “Der plötzliche Spaziergang”)
Manchmal sind Ausbrecher krank. Ursächlich dafür ist in der Regel jedoch nicht die Handlung des Ausbrechens, sondern das dafür notwendige Durchstoßen von überharten Käfigmauern mit dem Kopf. Es ist nicht der Wahn, der dazu führt, dass der Schädel die Wand durchschlägt – es ist der Aufprall, der verantwortlich ist für den Wahn.
Die wenigsten Ausbrecher leiden am Ausbruch, viel mehr leiden sie durch dessen Folgen. Wer einmal feststellt, dass vier geschlossene Wände nicht nur tragen (das Dach), sondern auch begrenzen (den Menschen), den will man nicht mehr zwitschern hören im metallenen Käfig. (Anmerkung: Gitterstäbe gelten im Allgemeinen als schalldurchlässig.)
Man muss also mit neu gewonnener Sachlichkeit feststellen, dass Ausbrecher angehalten werden sollten, für das kommende Leid vorzusorgen. Beispielsweise, indem sie Kanarienvögel an ihrer statt einziehen lassen. Außerdem sollte man sie dringend anhalten, offenbar pubertäre, ausbruchswillige Vögel nicht gleich für wahnsinnig zu halten.
Florian · Kommentare (0) · Kategorien: Allgemein. (permalink)
22. Januar 2012
Mit dir
Mit dir ist nicht nur Traum
Du bist mehr als ein Traum,
weil du die folgende Punktsymmetrie
zu schätzen weißt.
Weil so vieles mit dir so ist,
wie ich es mir immer gewünscht habe.
Aber solche post-hoc-Erklärungen
sind problematisch, hübsche Geschichten,
die auch nichts sagen können
in tausend bunten Bildern.
Du bist weniger als ein Traum,
weil man so was wie dich nicht träumen kann,
und das gibt mir die Gewissheit,
dass du nicht bloß das Konzept bist
einer Theory of Mind,
ein Homunculus, der einen Homunculus beobachtet,
der einen Homunculus sieht, der auf einer
Leinwand einen Homunculus betrachtet –
Blick in die Unendlichkeit.
Mit dir ist nicht nur wirklich.
Florian · Kommentare (0) · Kategorien: Allgemein. (permalink)
20. Januar 2012
Vom Einfrieren
Ich befinde mich in einem fremden Raum, ich kann ihn nicht definieren. Kalter Rauch hängt darin. Es gibt einen Riß in der Tapete, er reicht quer über die verschmierte Kreidezeichnung eines EKGs. Ich kneife die Augen zusammen, erkenne an der gegenüberliegenden Wand Aufnahmen von fremdartigen Lungen, deren Bronchien aussehen wie Gehirne. Ich sehe keine Gegenstände, vielleicht gibt es hier nichts Gegenständliches. Doch ich finde ein Bett und lege mich hinein, ziehe darüber ein feuchtes Laken. Da wird mir bewußt, ich liege hier in einem Möglichkeitsraum gleichwertiger Ideen. Dies Bett ist eine Insel darin. Ich höre ein Rauschen, als wäre um mich Leben, ein Strom, der Ideen trägt und auf dieser Insel versanden läßt. Gischt näßt mich. Ich spüre, daß hier einst ein Vulkan alles Leben ausgelöscht hat. Fruchtbare Erde liegt brach. Ich stelle mir vor, Samen fallen herab oder werden angespült, doch es wächst nichts daraus. Tote Samen sind es oder schlafende. Oder bin ich es, die schläft? Ist am Ende diese Erde gar nicht fruchtbar? Wie bin ich nur hierher gekommen?
Ich erfand einst ein Du, das sprechen und besprochen werden konnte. Heute höre ich dies Rauschen, Stimmen aus dem Off. Geisterstimmen. Früher bestand die Möglichkeit, zu einem Du zu sprechen, weil das rauschende Blut evident gewesen ist, die sich hörbar schließenden Venenklappen, das Zusammenziehen des Herzmuskels. Heute spricht nichts mehr, mit dem Du ist auch das Ich verstummt, emergiert ist ein beständiges Murmeln, das aus den Tapetenrissen tröpfelt. Aus Erzählungen und Dialogen, aus Aus-, Zu- und Hilferufen ist ein warnendes Gemurmel geworden, an dem ich keinen Anfang, kein Ende erkenne. Jeder meiner Sätze ist eine Übereinkunft, ein gewichtetes Mittel von Bruchteilen des Vernommenen, fraglich, fragil, fraktal. Ich versuche bisweilen, Muster zu erkennen, zeitliche oder lautstärkliche, es gibt gewiß Wahrscheinlichkeiten, Vertrauensintervalle, doch um ein verläßliches Ergebnis zu bekommen, müßte ich zunächst wissen, ob diese Stimmen normalverteilt sind, ob es einen Trend gibt. Doch wie geht das, wenn die Stimmen nicht absolut integrierbar sind, wenn ich weder Anfang noch Ende erkenne, wenn ich einfach nur diese Stimmen höre, während ich in diesem Zimmer in diesem Bett liege? Die Stimmen sind leblose Schallwellen, transportierter Impuls, Energie, die kein Leben nährt. Calculo ergo sum. Summ, summ. Ich liege hier und ich warte auf die Melodie.
Ich stelle mir vor, daß du mich hier liegen siehst. Du sähest ein offenes System in seinen letzten Zügen, die Nässe des Lakens würdest du als Blut identifizieren, da wäre nichts, was die Macht besäße, dieses System zu erhalten. Die Energie einer fernen, vermuteten Sonne wäre vollständig absorbiert in der flirrenden Luft, und darin der Dunst allen Wassers, so daß es kein Leben gäbe, und nichts atmete. Meine Lunge sprach ohnehin zeitlebens eine andere Sprache als die übrigen Organe, die Atemfrequenz inkommensurabel zum Schlagen des Herzens. Denn meine Atmung ist willkürlich gewesen: im ewigen Zerwürfnis zwischen Körper und Geist hat sie die Partei des Selbstgefälligen ergriffen. So spielen Geist und Körper Rekursion in einer Endlosschleife. Die Abbruchbedingung ist niedergeschrieben in einer gemeinsamen Sprache, die nicht existiert. Die letzte Hoffnung besteht in der Erkenntnis, daß ich nicht weiß, was du in mir siehst. Die letzte Hoffnung besteht im Irrtum.
Sarah · Kommentare (0) · Kategorien: Prosa. (permalink)
17. Januar 2012
Wir eröffnen Ihnen Hintergründe.
“the medium is the massage” ist ein Graphikblog zum Angucken.
Auch zum dreisten Benutzen für Desktophintergründe, ob so vom Künstler gewünscht, wie
beim privaten sozialen Netzwerk oder von der Bücher und schöne Menschen liebenden Verfasserin skaliert und zweckentfremdet wie bei der Bibliothekarin oder Lügen, die wir mögen.
Ästhetik für den akademischen, journalistischen, bookishen, feministischen Winter oder so.
Regine · Kommentare (0) · Kategorien: Links, Zeichnung. (permalink)
12. Januar 2012
gib die Tropfen fort

Lena · Kommentare (0) · Kategorien: Lyrik, Musik, Straßenlyrik. (permalink)
11. Januar 2012
Melancholie
Melancholie ist gleich den Straßen,
die mich im Herbst mit feuchten grauen Wegen
nichterkennend weiterführen -
ist gleich den kahlen, schwarzen Bäumen,
die, ihre Äste mir entgegenstreckend,
an mit vorübergleiten,
um stumm im Nebel zu verschwinden.
Melancholie gleicht einem schwarzen Abgrund,
an dessen Rande stehend ich in die Tiefe blicke
und der Versuchung,
rasch hinunterfallend im Dunkeln zu verschwinden,
widerstehend stehenbleibe!
Gabriele Vogt, 1965
Jan · Kommentare (0) · Kategorien: Allgemein. (permalink)
3. Januar 2012
Rauhnächte.
Nieseliger Jänner,
in Pfützen zu springen,
hält uns im alten Jahr.
Die feisten Weihnachtsäpfel Dich übern späten Dezember,
mich die schlaflosen Tage zwischen den Jahrn.
Ich halte fest,
ich halte fest,
was längst vergangen ist.
Denn in Erinnerung liegt Dauer.
Und die ist nicht die Ewigkeit,
mein Kind.
How happy is the blameless vestal’s lot!
The world forgetting, by the world forgot.
Eternal sunshine of the spotless mind!
Each pray’r accepted, and each wish resign’d
(Alexander Pope: Eloisa to Abelord)
Regine · Kommentare (0) · Kategorien: Allgemein. (permalink)
31. Dezember 2011
green are all my clothes – Straßenlyrik Bremen
Lena · Kommentare (1) · Kategorien: Fotografie, Liebe, Musik, Straßenlyrik. (permalink)
30. Dezember 2011
Welt
Und sie dreht sich doch
um uns,
die Welt, wie wir sie kennen!
mit ihrem asymmetrischen Horizont
und ihren eckigen Kreisen,
denen sie auf den Spitzen rumtanzt
bis zur mathematischen Beweisführung.
würde ihr etwas fehlen,
in ihrer übersummativen Gleichung,
wenn wir niemals hier gewesen wären,
niemals Teil ihrer Wellenfunktion,
die auch das Nichts erfasst,
in das wir dematerialisieren.
Und sie drehte sich auch noch um uns,
wenn wir verschwänden.
Florian · Kommentare (0) · Kategorien: Allgemein. (permalink)
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