Die Postkarten aus dem Werk 14. November 2014

KarteMeer

Liebes X,
heute war es sonnig, ich habe überall Sand, im Sand war eine Muschel in der Muschel war nichts.
Love,

 

 

 

 

 

 

KarteAkten

Liebes X,
ich fand einen Weg, den konnte ich nicht gehen, das war wunderbar und traurig und ich träume wieder.

 

 

 

 

 

 

KarteSkulptur

Liebes X,
einen Turm baut man besser im Sommer, im Winter vereisen die Stufen und man fällt.
Bestes,

 

 

 

 

 

 

KartePaletten

Liebes X,
ich baue eine Höhle mit keinem Fenster, einer Tür, einem Fuchs, einem Maulwurf und keiner unterirdischen Quelle.
Und..?

 

 

 

 

 

 

KartePapier

Liebes X,
ich sprang in Laub und einen Igel, wir brachen uns beide den Fuß. In meinem sind außerdem Stacheln. Der Verband ist nur wenig blutig und kommt bald ab. Ich unterschreib für dich.

 

 

 

 

 

 

KarteFässer

Liebes X,
Türme kann man auch im Winter bauen und sich Nägel unter die Schuhe kleben. Und Salz werfen. Und es schneit ja nicht mehr.
Best,

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foto mit farbigem zitat. Abzug – Abzug. 12. Juli 2014

foto mit farbigem zitat. Abzug - Abzug.

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Penisdackel – über die Schönheit von Viren 1. Juli 2014

Die Welt wird doch besser, obwohl Marx & Co. als widerlegt gelten: Inzwischen gibt es bei Google einen (1) Treffer für “Penisdackel” – als Benutzername bei YouTube. Jahrlang führte die Suche in die Leere – nein: die Brache – ungenutzer Wortmöglichkeiten. Stets wurde einem nur “Nasendackel” empfohlen.

Frivoler Hoffnung suchte ich als nächstes “Arschreiher”. So viel besser wird die Welt offenbar doch nicht – wie bereits bei jeder Suchanfrage seit 2006 bin ich mit diesem Wort alleine im Universum, darf mich als sein Schöpfer fühlen und sein Wirt zugleich, außerhalb mir ist es offenbar nicht lebensfähig. Noch nicht vielleicht.

Ich müsste das Feld besser bestellen. Seeding nennt man das auf Werberdeutsch. Denn Worte wollen nicht nur einem Wirt dienen – es ist auch evolutionär fatal, sie wollen jedes sprechende Wesen infizieren. Wer ein Wort schöpft, schöpft einen Virus – einen optimal angepassten, denn er verkürzt die Lebensdauer seiner Wirte in den allermeisten Fälle nicht (sehen wir einmal ab von Diplomatie, Banlieu-Pöbelei und Beziehungsstreit). Der Wortvater (oder die Wortmutter) empfindet für seine Kreatur vermutlich ähnlich wie der Hacker, der gerade Loveletter fertiggeschrieben hat und nun zuschaut, wie es das kleine Ding in die ersten Betriebssysteme schafft. Ohne Rücksicht auf Verluste und im vollen Bewusstsein dessen, dass das Kind vom ersten Moment an ein Eigenleben führt, das der Kontrolle des Vaters entzogen ist und durch kaum etwas auf ihn rückschließen lässt.

Es ist vielleicht eine Lebensweise des Camus’schen Sysyphus, Wörter zu schöpfen: Man bietet dem Sinnfreien die Stirn, indem man sein Spiel spielt, anstatt es zu verleugnen. Umso mehr, je sinnfreier die Worte selbst sind.

Doch welches Wort hat schon Sinn, der ihm nicht immer wieder gegeben würde. Das ist wie Währung: ihr Kurs hängt vom Glauben an ihren Wert ab, ist eine soziale Konvention, stets in Wandel. Mein Gymnasialfreund Gerrit und ich benutzten stets das Wort “iffeln” als Joker in unserem Wortschaft, den wir so lange in verschiedenen Kontexten gebrauchten (“Angst iffelte sich in mir hoch”, “Das musst Du doch mal geiffelt bekommen”, “Er iffelte ganz abscheulich”), bis die Menschen in unserem sozialen Umfeld begannen, die Vokabel zu übernehmen – jeder mit anderem Sinngehalt. Wir waren überzeugt, “iffeln” erfunden zu haben – nun offenbarte mir der Leviathan aus Mountain View, dass iffeln ein altes deutsches Wort ist, das bedeutet “ein schadhaftes Eisen glätten” oder “Kleinigkeiten stibitzen”. Seit 1870 hat es aber wohl keiner mehr literarisch verwendet.

Vielleicht speißt sich die Schöpfung skurriler, fragiler Wörter ohne Not aber auch aus einem Übermaß an Mitleid mit allem, das keinen Fürsprecher hat – oder, oder und, aus der Freude am Wunder des Lebens, Neuem Existenz verleihen und es wachsend seine eigenen Wege gehen zu sehen.

“Penisdackel” macht seine ersten Gehversuche, hat sich erfolgreich in einem Geschwistergehirn festgesetzt, so fest offenbar, dass dieser Wirt das Wort als Insignium seiner Identität wählte. Es tut nichts zur Sache, dass es sich um einen Menschen handelt, dessen einziges Auftreten in der Öffentlichkeit sich bisher darauf beschränkte, ein Video von “Mütze Aldah” zu kommentieren. Wer Worte nach ihrer Aussage oder ihren Verwendern beurteilt, hat keinen Sinn für die wilde Schönheit der Evolution – und die Ausbreitung von Seuchen.

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was sich leugnen lässt – Straßenlyrik Idar-Oberstein 12. Juni 2014

was sich leugnen lässt

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was sich leugnen lässt

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In der Mitte ist kein Staub sondern feucht 10. Juni 2014

In unserem Garten stehen Nadelbäume, die wir natürlich „Tannen“ nennen, denn wir sind Kinder und auch das Wissen aus den Waldjugendspielen ändert nichts daran, dass die heimische Wildnis von ernsthaften Diagnosen ausgenommen ist. Die Tannen haben klar dünnere Äste als zum Beispiel die Blutbuche oder der Walnussbaum beim Nachbarn, aber wir klettern ja eh direkt am Stamm, also who cares, und dafür sind sie auch eher biegsam als brüchig. Man muss erstmal an den Stamm rankommen, die Äste wachsen ja bis zum Boden und man bekommt das ganze Gestrüpp ins Gesicht; die Nadeln sind angeblich von weichem Wuchs, zerkratzen uns aber trotzdem die Arme und Beine (damals trugen wir noch abgeschnittene Hosen und Sandalen). Ob wir bei den Tannen einen ebensofesten Pfad haben wie bei dem Laubgewächs. Man könnte meinen: Nein, aber ich erinnere mich vage an dieses vertraute Gefühl, wenn man Äste kennt. Auf jeden Fall geht es schnell, die Zweige sind ja dicht an dicht, wie gesagt, und wir stiegen ohne Weiteres auf zehn Metern Höhe, so ungefähr, so hoch wie unser Haus eben. Ich auf dem einen Baum, meine Schwestern auf dem anderen und über und unter mir. Da waren dann Blasen am Stamm, die man mit einem leisen Knacken eindrücken konnte, sie verspritzen oder bluten zumindest Harz aus, das dann nicht mehr abgeht von nichts, aber wir haben trotzdem immer versucht, es klebermäßig einfach zu Kügelchen zu rollen oder später mit Seife abzuwaschen, egal. Der Wind weht und der Gipfel wiegt sich leicht, während das eine Bein auf einem höheren Ast steht als das andere, eine Hand lässig am Stamm, selbst nur noch astdick, und unten die Nachbarn, die wie ferne Idioten auf der Straße herumspazieren.

A1:
a1 Hütte
A2:
a2 Hund
A3:
a3 Hütte
B:
B Gipfel
C:
C Äste

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wens 25. Mai 2014

wens

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ESCape 13. Mai 2014

Luftige Sonntagsreden
Liderlicher Volksdrogenkonsum
Schlägerhitparaden
Nie wieder Auschwitz
Nie wieder Stefan Raab
Höchstens zu Schulungszwecken

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Für Dinge passieren nicht bei Nähe 7. Mai 2014

Für Dinge passieren nicht bei Nähe

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I only watch when there is nothing to see 15. April 2014

I only listen when there’s nothing to hear
I only speak when there is nothing to say
I cry for help when there’s nobody near

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Gabriele 8. April 2014

Sonnenlicht fällt durch die Krone der Birke und malt Muster auf den alten Naturstein. Er verwittert langsam, als wolle er sich in Würde zurückziehen. In eine feine Moosschicht gehüllt wird er im Lauf der Jahre wieder eins mit dem Blattwerk, den Gräsern, der Erde. Eine kleine Spinne krabbelt durch den Korridor von Licht auf seiner Oberfläche. Eben überquert sie eine dunkle Vertiefung, die sich vom warmen Rotbraun abhebt. Es ist ein Netz aus Scharten, zu einem Satz gemeißelt: „Ich würde nur das gehen lassen, was denn nicht bleiben kann.“ Das sind Deine Worte. Sie bleiben und so Vieles darüber hinaus. Doch ist mehr gegangen, als Du hast lassen wollen. Dieser warme Frühlingstag aber atmet Deine Luft, hier „am schönen und ruhigen Ort“, wie Du einst über Hölderlins Gedenkstein schriebst. In der Nachbarschaft von Efeu, Laub und Wildblumen ist – halbbeschattet – Deine Heimat. Ich pflanze Vergissmeinnicht, Stiefmütterchen und eine kleine Wildrose. Über jeden Regenwurm, den ich dabei aus der Erde hebe, freue ich mich an Deiner statt und gebe ihm sicheres Geleit.

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