20. Mai 2012
Kosmonaut
Florian · Kommentare (0) · Kategorien: Allgemein. (permalink)
17. Mai 2012
Nichts von dir
Florian · Kommentare (0) · Kategorien: Allgemein. (permalink)
7. Mai 2012
Fundstücke aus dem männlichen Wahrnehmungsapparat. II – Rollentausch?
Es sei gelobt und angekündigt: Das letzte laaaaaaange Essay von mir zum Geschlechterthema. Mach ich ja nur, um die Zeit bis zu Sarahs Beitrag zu überbrücken
Insgesamt scheint etwas Verwirrung darüber zu herrschen, wie wir Männer heute eigentlich so sind. Ob man SPIEGEL liest, ZEIT, Süddeutsche – die ganze mittig bis leicht linke Presse hat sich von Rauhfaser ein Trendthema abgeschaut. Während sich die Einen sich nach wie vor am alten Männer(feind)bild abarbeiten und von Mars und Venus schwafeln, beklagen die Anderen, dass es unter 30 (bald muss ich mich ja zum Glück nicht mehr angesprochen fühlen) nur noch überreflektierte Frauenversteher gebe und Dritte möchten die Jungs, die angeblich nie erwachsen werden wollen, gerne “zurückpfeifen”. Dass viele öffentlich klagen, aber eigentlich kaum jemand – gerne seien auch Frauen dazu eingeladen – ein Loblieb auf den Mann singt, ist nichts Neues und inspirierte bereits in den 1990er Jahren eine deutsche Frauenzeitung zu der Werbeanzeige, auf der eine haushohe Riesenspinne eine Stadt in Schutt und Asche legt und sich ihr ein Mann mit Fliegenklatsche in den Weg stellt, während die Frau an seinen Arm schreit “Iih, mach das weg”. Der Slogan: “Männer, gut dass es sie gibt”. Die spannende Frage scheint zu sein: Wofür braucht man uns denn?
Die Verwirrung ist durchaus nicht unnachvollziehbar, denn mir scheint, dass sich das gelebte Männerbild in meiner, unserer Generation fundamental geändert hat, ohne dass das sozial/medial reflektiert wurde. Und dass das Frauen vielleicht sogar mehr verwirrt als Männer. Ich erlebe und schreibe das – wie es dem Erleben gebührt – radikal subjektiv, aus meinem eigenen Biotop von bunt durch Deutschland und Amerika gewürfelten (Wahl-)Großstädtern zwischen 20 und 35 mit überdurchschnittlicher geistiger Wachheit, Affinität zu Musik und Kunst, geringem Massenmedienkonsum und ausgeprägtem Individualismus. Also nicht mit dem leisesten Anspruch, repräsentativ zu sein. Doch in diesem Ausschnitt der sozialen Realität habe ich etwas erlebt, als ich mit diesen Jungs aufgewachsen bin:
Unsere Männlichkeitsinsignien haben sich gewandelt. Massiv. Als wir klein waren, geierten wir (ich spreche selbstredend völlig anmaßend von “wir” und schere damit Jungs über einen Kamm, die natürlich untereinander mächtig unterschielich sind) über Autoquartetts, wollten James Bond werden, spielten die Fußball-WM-Spiele am Baggersee nach und dachten uns als künftige Familienernährer, auf jeden Fall als berühmt, mindestens aber als reich. Frauen würden wir auswählen, erobern, für uns gewinnen…Metaphern zwischen Kampf und Spiel mit eindeutiger aktiv-passiv Verteilung. Respekt bekam der Lehrer mit dem neuen BMW M3, oder der, der wie Indiana Jones aussah. Und natürlich der, auf den die hübschen Schülerinnen flogen.
Was ist dann nur aus uns geworden?
Kommunikationspsychologen, Mediengestalter, PR-Experten, Landschaftsgärtner, Sozialarbeiter, Lehrer. (Ich gebe zu: Ein Biomediziner, ein Speditionskaufmann und ein Jurist sind auch dabei). Das klingt irgendwie näher an Bridget als an Indiana Jones. Mein Autospleen, der noch zu Abi-Zeiten Anerkennung erfuhr, gilt heute als anachronistische Marotte…sporliche Autos, die dauernd Geld und Mühe kosten, geraten eher unter Statussymbolverdacht, als Begeisterung auszulösen. Außer mir hat einer in meinem Freundeskreis ein Auto. Einen Trabi. Genau ein Mann in meinem Freundeskreis interessiert sich heute noch für Fußball. Und die Sache mit dem Geld, der Macht oder der Familienernährerrolle? In ca. 50 Prozent der Beziehungen in meinem Freundeskreis kamen/kommen die Frauen schneller und besser mit dem Studium voran, haben die solideren Jobs, mitunter auch das höhere Gehalt. In den anderen 50 Prozent haben weder Mann noch Frau die geringste Lust darauf, dass er den Ernährer gibt. Die Frauen machen lieber Karriere…als – ich gehe hier jetzt meinen Freundeskreis durch – Juristin, Unternehmensberaterin, Kriminalpolizistin, Architektin, Ärztin, Physikerin (ich gebe zu: eine Game-Designerin ist auch dabei, eine Lehrerin und eine PR-Expertin)…die Männer haben lieber mehr Zeit und Energie für Musik und nicht wenige hätten sie später gerne auch für die Kinder. In den Erwerbsbiografien klaffen häufig freiwillige oder zumindest mutwillig in Kauf genommene Lücken der größeren Art. Alben aufnehmen, durch die Gegend reisen, Studien oder Ausbildungen “mal ausprobieren”, Selbstfindung. Die neuen Staussymbole: Kreativität, Inspiration, Unangepasstheit – und das Selbstbewusstsein, die damit verbundenen soziohierarchischen und Karriererisiken auf sich zu nehmen. Dass ich bei einem Energiekonzern arbeite und gut verdiene, ist etwas fast schon Peinliches, über das man lieber nicht spricht, so tut, als wäre es nicht so (in der Grundschule noch dachten wir, soetwas sei dann Anlass, jetzt endlich selbst den BMW zu kaufen oder…Ihr wisst schon: Baum pflanzen, Haus bauen und so). Überhaupt Beziehungen: In den meisten Partnerschaften in meinem Umfeld sind die Männer schüchterner als die Frauen, die eher den Kurs der Beziehung prägen, nicht selten auch sexuell forscher sind und die großen Fragen bis hin zum Heiratsantrag mindestens mit gleicher, wenn nicht gar höherer Wahrscheinlichkeit ansprechen…”erobern” würde niemand mehr ernsthaft sagen oder meinen, “zusammenfinden” ist der Begriff der Stunde.
Was sich mit den Insignien und damit verbundenen Lebensentwürfen gewandelt hat, ist das Kommunikationsverhalten – verbal wie physisch. In der vierten, fünften, sechsten Klasse noch galt die Angst davor, als “schwul” abgestempelt zu werden, wenn man unter Männern freundschaftlich körperliche Nähe zeigte oder über seine Gefühle sprach. In der siebten bis zehnten Klasse galt es noch mindestens als wahlweise “Emo” oder “Weichei”. Ab der elften, zwölften Klasse fing das plötzlich an, dass das Umarmen zur Begrüßung salonfähig, ja cool war – solange man es angemessen stilisierte und ironisierte (Neunziger-/Nullerkram eben). Und heute ist das “komm, ich nehm Dich in den Arm”, das fest-Drücken, in Ausnahmefällen auch das über-den-Kopf-Streichen oder untergehakt-durch-die-Stadt-Laufen unter Männern in meinem Umfeld ein legitimer Bestandteil des Ausdrucksrepertoires, des füreinander-Daseins in einer Freundschaft geworden. Das Gespräch über Befindlichkeit, Träume, Wünsche, Lachen und Tränen kneipentauglich (zumindest in Bremen, San Francisco und Berlin). In klassischen Freundschaftsgesprächen über Beziehungen nach dem Muster “Ich muss mich ausheulen, weil…” geht es durchaus manchmal noch um klassische Themen wie: “sie ist zu eifersüchtig” oder “sie klammert” oder “sie ist zu fordernd” – doch immer häufiger tritt hervor “sie hört mir nicht zu”, “sie ist wenig empathisch”, “wir kommunizieren nicht gut”, “sie nimmt meine Kreativität nicht an”, “sie unterschätzt meine Verletzlichkeit”, “sie kann Nähe schlecht zulassen”, “sie ist unromantisch”. Diese zutiefst menschlichen Erwartungen, die aber lange keine Männlichen sein durften, werden nicht länger verleugnet, sondern offen und ohne Scham geäußert…als Wunsch, als Bedürfnis, als Anspruch. Im Gegenteil sogar: Lächerlich oder zumindest irgendwie unheimlich macht sich, wer hart wirkt, unerschütterlich…heute entschuldigte sich ein Freund dafür, einen Trauerfall erst abends an sich heranlassen zu wollen, rechnete damit, dass ein entsprechend pragmatisches Management von Gefühlen im (männlichen!) Freundeskreis Unverständnis und Missfallen hervorrufen würde. Und wo Ironie in Zynismus umschlägt, gähnen alle “das ist so 90er”.
Insgesamt scheint mir, dass hier Männer – ich sage bewusst nicht “wir Männer” oder “die Männer”, weil ich schwer abschätzen kann, wie sich das in anderen Gesellschaftsausschnitten verhält und natürlich auch nicht wenige Gegenbeispiele kenne – einen Wandel durchgemacht haben in den letzten 20 Jahren, der sie aus Männersicht der frühen bis mittleren 1980er, in denen sie geboren wurden, vielleicht kaum noch als typische Männer scheinen ließe. Sondern als frappierend weiblich. Und das, ohne dass wir Jungs (oder unsere Partnerinnen) irgendwelche Kastrationsgefühle hätten. Wir haben uns auch nicht Gender-Mainstreaming-Leitbildern angepasst. Sondern einfach das entspanntere, spannendere, menschlichere Land jenseits des klassischen Männerbildes entdeckt.
Wenn das nicht nur nicht bejubelt wird als weiterer Schritt der Emanzipation, sondern entweder medial gar nicht bemerkt wird (man denke daran, mit welchem Hohn und Spott und vor allem mit wie wenig Beachtung Paul-Herrmann Gruners grundlegendes Buch “Frauen und Kinder zuerst” Anfang der Nullerjahre empfangen wurde) oder – von meist weiblicher Seite! – als “was ist nur aus den Männern geworden” betrauert wird, drängt sich mir ein übler Verdacht auf, der hier zum Schluss geäußert sei, um die Debatte anzuheizen:
Ist vielleicht der Erfolg der weiblichen Emanzipation auch darin begründet gewesen, dass sie wirtschaftlich wünschbar war, im Grunde prokapitalistisch? Dass, indem die Hausfrau zur Businessfrau wurde, vormals nicht kapitalisierbare Arbeitskraft kapitalisierbar wurde, sich die Zahl qualifizierter Arbeitskräfte dadurch erhöhte, der Wettbewerbsdruck somit auch – was Arbeitgebern eine bessere Auswahl zu tendenziell niedrigeren Löhnen verheißt? Dass indem mehr Frauen kapitalistisch messbaren Mehrwert generieren, das Bruttosozialprodukt insgesamt steigt und damit insbesondere die Margen der ein bis zwei Prozent? Nicht zu vergessen: Dass mit mehr finanzieller Autonomie der Frauen der Konsum angekurbelt wird? Zumal in einer Zeit, als die junge Bundesrepublik zum ersten Mal auf Wachstumshemmnisse traf?
Und müsste man, wenn die “neuen Männer” (der bekloppte Begriff sei spaßeshalber verwendet) auf den BMW pfeifen, die 50- gegen eine 35-Stunden-Woche eintauschen, lieber Designer als Buchhalter werden, bereitwillig Einkommen gegen Lebensqualität tauschen und lieber Musik machen als in den Nachtclub gehen, nicht über eine neue Arbeitsteilung nachdenken…müssten dann nicht andere (womöglich Frauen?) mehr arbeiten? Oder alle mit weniger Bruttosozialprodukt zu leben bereit sein?
Ist der nostalgische Nachruf auf den Mann oder das Klagen über seine heutige Unbestimmtheit vielleicht auch die Angst davor, dieses Fass aufzumachen? Weil es Dynamit birgt – für Männer, für Frauen, für die Gesellschaft, die Politik, nicht zuletzt die Wirtschaft? Weil aber am Ende eine echte Emanzipation stehen könnte…eben eine der Geschlechter, nicht nur eines Geschlechts.
Jan · Kommentare (5) · Kategorien: Gesellschaft, Leben, Liebe, Politik. Schlagwörter:Geschlechter — (permalink)
28. April 2012
Intoniertes Grübeln
Florian · Kommentare (0) · Kategorien: Allgemein. (permalink)
23. April 2012
Wir sind so im Trend
Selbst der SPIEGEL greift aktuelle Themensetzungen des Debattenleitmediums Rauhfaser auf.
Jan · Kommentare (1) · Kategorien: Allgemein. (permalink)
23. April 2012
Mädchenwiese
Es ist Sommer und die Mädchenwiese blüht. Sie tragen Hot-Pants, auf ihren Tops und Kleidchen blühen Blumen in altrosa, zartgelb und zahnpastagrün. Manchmal machen sie einen auf 80 er und haben Leggings an und kurze blondierte Haare. Das macht Dir ein bisschen Angst. Meistens sind sie zum Glück aber hippieesk und ihre Haare flattern in sanften Wellen über ihre weißen Schultern, die bald zart gebräunt sein werden, denn die Mädchen sind immer draußen und gehen schwimmen, am See. Wie schön wäre es gewesen, in den 70ern gelebt zu haben!
Gerne hörst Du die Nymphchen singen, vielleicht am Lagerfeuer, oder in Deinem Badezimmer?
Wäre doch ganz erquicklich, spazieren zu gehen, auf der Mädchenwiese? Die Mädchen sind alle sehr schön, viele haben ein ausgelassenes Lachen, sind verträumt, zerbrechlich, ehrlich. Viele würden Dir ganz bestimmt zuhören. Sie würden sich Dir sicher auch anvertrauen, Dir von ihren Erwartungen, Ängsten und Plänen erzählen. Dann schimmern sie noch einen Hauch zarter und schöner für Dich, wenn sie mit sanften Stimmen Trauriges, Witziges, Hoffnungsvolles, Weltschmerziges und Kluges wispern.
Im Sommer, wenn die Mädchenwiese blüht, gehst Du spazieren und hoffst, dass Du etwas ganz Besonderes findest. Es ist grau, in deiner Wohnung, Du träumst schon länger davon, etwas Buntes hineinzustellen. Blumen welken, klar, aber Du bist ja nicht von vorgestern. Nichts ist für die Ewigkeit und was lange währt, wird endlich schlecht. Du möchtest doch nur, dass endlich überhaupt einmal etwas passiert.
Vielfältig ist die Mädchenflora! Wo eine sich Dir entzieht oder ihre Blüten verliert, da wächst eine andere nach. Wie schön ist es, jung, zu sein! Wie herrlich ist der Sommer!
Regine · Kommentare (1) · Kategorien: Gesellschaft, Liebe, Prosa. (permalink)
15. April 2012
WeiblIch empfiehlt.
Wenn es wirklich nicht mehr geht.
Regine · Kommentare (0) · Kategorien: Allgemein. (permalink)
14. April 2012
Aufklärung
Mit einem Penis durchs Leben zu gehen ist wie mit dem Verstand: Man wird damit geboren, doch dann muss man herausfinden, wie er sich gebrauchen lässt. Gut ist, wenn beides miteinander einhergeht.
Jan · Kommentare (1) · Kategorien: Allgemein. (permalink)
13. April 2012
Fundstücke aus dem männlichen Wahrnehmungsapparat. I – Virilität als individuelles Merkmal oder Performancekriterium
Nachdem ich mich damit auseinandergesetzt habe, wie mich mein Mann-Sein mehr oder weniger a priori prägt, möchte ich noch ein paar assoziative Gedanken und individuelle Eindrücke teilen zum Thema „Männerbilder“.
Ein Gedanke gilt dabei der wahrnehmbaren sexuellen Energie, die von einem Mann ausgeht (oder natürlich von einer Frau, aber ich will ja zumindest etwas subjektiv bleiben und “in meinem eigenen Hof kehren”) – die Virilität. Denn natürlich gilt es sie – und sie wirkt über das Sexuelle hinaus. Es gibt Männer, die durch ihre bloße Präsenz weibliche Knie weich werden – und Grund- und Vorsätze über Bord gehen – lassen und im Kreise der männlichen Kollegen ohne Kampf nicht nur die sexuelle Alphatierrolle einnehmen. Sie werden als attraktiver und positiver bewertet, als überzeugender und entwaffnender – von Männern wie von Frauen. Damit haben sie sozial und wirtschaftlich eine gute Startposition. Dieser unmittelbare Einfluss biologischer Merkmale wirkt durch unsere kulturellen Konditionierungen und Wünschbarkeiten hindurch.
Das ist atavistisch, unreflektiert, vorzivilisatorisch – und zugleich fernab jeglicher Geschlechterrollen und -klischees etwas höchst Individuelles, denn es kommt von innen, ist eine Folge der Physis (inklusive der Pheromonproduktion), die ebenso einzigartig und unverkennbar zu einem Jeden gehört wie seine Persönlichkeit. Es kann weder durch imitierendes, „männlich-markantes“ Verhalten (Gesten, Meinungen, Handlungsschemata, Kleidung, Trainingsstand, etc.) emuliert, noch durch Gender-Mainstreaming verdeckt werden. .
Es ist aber zugleich auch nur eines der möglichen Gebiete, auf denen individuelle sexuelle und soziale Vorteile erschlossen werden. Es gibt ebenso Männer, die eine ähnliche Ausstrahlung und Durchschlagskraft durch Charisma und Witz entwickeln – ohne über eine sonderlich testosterondurchtränkte Physis zu verfügen. Auch sie werden als attraktiver Mann wahrgenommen, nicht „nur“ als interessanter Mensch. Nur ist diese Art von Intensität weniger geeignet, stereotyp interpretiert zu werden, weil diese Variablen im Klischee des Mannes nicht fest verankert sind.
Wenn es um Virilität gleich welcher Art und Quelle geht, ist jedoch eine Gruppe fast immer außen vor: die Schwulen. Das Absurde ist ja, dass ausgerechnet Homosexuelle und „Metrosexuelle“, die in den Verdacht geraten, mit der Homosexualität zu flirten, sozial gewissermaßen kastriert werden…sie gelten quasi als Un-Männer. Also – das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Männer, die mit Männern zusammen sein und Sex haben wollen, sind unmännlich, inklusive aller billigen alt-stereotypisch assoziierten Klischees von „weich“ bis „divenhaft“, von „einfühlsam“ bis „weinerlich“.
Dies wiederrum ist alles andere als Individuell, sondern verrät einiges über das Männerbild – zeigt sich doch daran deutlich, dass gesellschaftlich das Mann-Sein in erster Linie dadurch definiert wird, dass man mit Frauen schläft. Schwule sind in dieser Sicht die neuen Eunuchen: Von ihnen geht keine Gefahr aus, sie sind keine Konkurrenten (für heterosexuelle Männer), keine potenziellen Eroberer oder Eroberungen (für Frauen). Respekt wird offenbar zugemessen in Proportion zum Leistungs- und vor allem Wettbewerbspotenzial bezüglich des anderen Geschlechts – das betrifft Männer nicht weniger als Frauen. Ein Mann wird als Mann gesehen, gemessen daran, wie attraktiv er auf Frauen wirkt und wie willens und fähig er ist, dies in sexuellen Erfolg umzusetzen – „Männlichkeit“ ist offenbar nicht denkbar ohne Frau. Betrachtet man, wie abwertend das Wort „schwul“ gebraucht wird und wie stark damit in weiten Kreisen ein Mann desavouiert wird, während Homo- oder Bisexualität weitaus weniger Einwand gegen die Weiblichkeit einer Frau darstellt (siehe auch, wie in Regines Beitrag angemerkt, dass die Angst der Eltern eher dem möglicher Weise schwulen Sohn als der eventuell lesbischen Tochter gilt), könnte man sogar vermuten, dass Männer stärker noch als Frauen gesellschaftlich dadurch definiert werden, das andere Geschlecht zu beglücken.
Das Beglücken ist dabei – Verdienst der Emanzipation – durchaus wörtlich zu nehmen. Gerade in Folge des Emanzipationsdiskurses wurde dem Mann immer größere Verantwortung für die weibliche Lust zugemessen, die Frage, ob er „es bringt“ absolut salonfähig und die Lektionen für gute Liebhaber Gegenstand von Kolumnen, Jugendzeitschriften und Vorabendsendungen, während es inzwischen als sexistisch gilt, wenn Männer ähnlich plastisch darüber reden, ob eine Frau es ihnen „richtig besorgt“. Beides entspricht jedoch einer wenig intimen Sichtweise von Sexualität unter einem kapitalistisch-demokratisch objektivierbaren Leistungsgesichtspunkt. Keine Frage: das Frauenbild ist heute weniger passiv – zum Glück – doch das Bild des Mannes als aktivem Part mit größerer Verantwortung fürs Gelingen scheint kaum getrübt (siehe larmoyante Plädoyers von Frauen über die angeblich zu zurückhaltenden, sensiblen Männer von heute), beide Bilder vielmehr durch die Erwartung einer gesellschaftlich beurteilbaren „Performance“ geprägt. Dementsprechend die boomende Industrie mit „Männertuning“ bei sexueller Performanceschwäche (bei Frauen konzentriert sich die Tuningindustrie ja mehr auf die „Karosserie“).
Männer- und Frauenbild sind immer eng miteinander verwoben. Beide Bilder von Starrheiten und Normativitäten zu befreien – eine wirkliche Emanzipation – kann nicht gelingen, ohne der Bedeutung des Körperlichen gerecht zu werden – und vor allem ohne darin wieder etwas sehr Individuelles zu sehen, nicht ein lästiges Naturrelikt, das es zivilisatorisch zu überwinden und zu „mainstreamen“ gilt. Wir sind Individuen als Mann und Frau, das ist nicht nur ein irgendwie aufgesetztes, sekundäres Merkmal – und das ist auch gut so.
Jan · Kommentare (2) · Kategorien: Allgemein, Aphorismen und Essays, Gesellschaft, Leben. (permalink)
11. April 2012
Pomoscheiße II
Als ich merkte, dass mir Brüste gewachsen, die zu Selbtreflexion unfähigen Menschen ohne Brüsten gefielen, bedeckte ich mich von Kopf bis Fuß, um den Gegensatz zu vertuschen, den es nicht gab, der nur geschaffen war, um Menschen in Herrscher und Beherrschte einteilen zu können. Lasst Hermaphroditos nicht vereinen, lasst ihn auslöschen, denn auch aus der Vereinigung von Konstrukten kann nur ein Konstrukt werden. Unter unseren Gewändern werden wir viele sein, darüber gibt es nichts, was uns zu trennen vermag.
Stefan · Kommentare (2) · Kategorien: Allgemein. (permalink)
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